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2006

Statistik der „registrierten Straftaten politisch motivierter Kriminalität mit rechtsextremistischem Hintergrund“ aus dem Jahr 2006 für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf:

Gewaltdelikte: 5
Propagandadelikte: 69
sonstige Delikte: 29
Insgesamt: 103

(Quelle: Antwort der BVV auf einer Anfrage)

Januar

Ende Januar zeichnet ein Iwan G. alias Wanja Götz aus Friedrichshainsich verantwortlich für mehrere antisemitische Flugblattsteckaktionen in Charlottenburg. Die Aktionen gingen vom Reichsbürger-Milieu aus. Diese glauben das Deutsche Reich existiere noch und haben provisorisch in den 80ern eine Komissarische Reichsregierung gegründet.
(Quelle: Chronik der Antifa Fhain)

März

Der Polizeipräsident in Berlin hat zwei Demonstrationen türkischer Nationalisten im Zusammenhang mit dem Pogrom bzw. Massaker an der armenischen Bevölkerung in der Türkei im Jahr 1915 und dem Gedenken an Talat Pasa verboten.
Talat Pasa gilt als einer der Hauptverantwortlichen an den Ereignissen und wurde 1921 am Steinplatz in Charlottenburg erschossen.
Die Kundgebung am 15. März in der Hardenbergstraße bzw. der Aufzug am 18. März von der Urania zum Ernst-Reuter-Platz wurden verboten, da zu befürchten ist, dass es zu Straftaten, insbesondere der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener nach § 189 Strafgesetzbuch, kommen wird. Die Ereignisse von 1915 werden von den Anmeldern geleugnet bzw. gerechtfertigt und Talat Pasa wird deswegen verherrlicht.
Der Deutsche Bundestag hatte letztes Jahr in der Begründung einer Drucksache („Erinnerung und Gedenken an die Vertreibungen und Massaker an den Armeniern 1915 – Deutschland muss zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern beitragen“) festgestellt, dass am 24. April 1915 der Befehl erging, dass die armenische politische und kulturelle Elite Istanbuls verhaftet, ins Landesinnere verschleppt und zum großen Teil ermordet werden soll. Über 1.000.000 Armenier fielen nach unabhängigen Berechnungen den Deportationen und Massenmorden zum Opfer.
(Quelle: Pressemeldung der Polizei)

Am 18.03 demonstrierten ca. 90 Neonazis in Charlottenburg. Die NPD hatte den Aufmarsch unter dem Motto „Keine Pariser Zustände in Berlin. Berlin ist eine deutsche Stadt“ ursprünglich für 150 Menschen angemeldet.
(Quelle: Taz; Bildquelle sowie weitere Fotos gibt es bei ADF-Berlin: Hier
Foto des Aufmarsches:

Mai

Am 03.05 wird ein 24-jähriger Mann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird gegen 5 Uhr von zwei Frauen rassistisch beleidigt, bespuckt und getreten. Die Frauen werden von einem BVG-Mitarbeiter festgehalten und der Polizei übergeben.
(Quelle: Pressemeldung der Polizei, 3.05.2006)

Eine Frau malaysischer Herkunft wird kurz nach 0 Uhr am 25.05 an einer Bushaltestelle am Savignyplatz von einer Gruppe männlicher Jugendlicher rassistisch beleidigt. Einer aus der Gruppe läuft der Frau hinterher und gibt unverständliche, laute, grölende Töne von sich. Als der Ehemann indischer Herkunft den Täter fragt, ob er ein Problem habe, wird er unvermittelt und heftig mit beiden Händen an die Brust geschlagen, so dass er mit dem Hinterkopf auf den Boden fällt und sich zudem Schürfwunden an Ellbogen und Händen zuzieht. Zufällig hält an der roten Ampel ein Polizeiwagen. Als die Polizisten aussteigen, um den Vorfall aufzunehmen, flüchtet der Täter.
(Quelle: Pressemeldung der Polizei)

Juni

An einer Bushaltestelle in der Franzensbader Straße in Wilmersdorf sind am 22. 06 gegen 14 Uhr antisemitische Schmierereien entdeckt worden. Unbekannte Täter hatten auf eine Schautafel und den Fahrplan der Haltestelle Schriftzüge mit rotem Filzstift geschmiert. An der Bushaltestelle wird auf eine Synagoge hingewiesen, die sich ehemals dort befand.
(Quelle: Pressemitteilung der Berliner Polizei vom 22.06.2006)

Ein Schwarzer Mensch wurde um am 24.06 gegen 21:30 in der Nähe der Gedächtniskirche von Polizisten zu Boden geschlagen und mit Handschellen gefesselt, weil er bei Rot über den Kudamm gelaufen ist. Nach Darstellung der Polizei habe der Afrikaner “um sich geschlagen”, bevor die Beamten eingriffen. (Quelle: taz, 26.06.06)

Oktober

Am 31.10 wurde ein 22-jähriger Ghanaer in Berlin bei einem fremdenfeindlichen Angriff von einem aufgehetzten Hund gebissen. Der 37-jährige Hundebesitzer habe das Opfer auf dem U-Bahnhof Zoologischer Garten zunächst mehrfach beleidigt und dabei seinen Hund von der Leine gelassen, teilte die Polizei gestern mit. Der Bedrohte habe daraufhin fluchtartig den Bahnhof verlassen. Der Täter habe aber nicht von ihm abgelassen und ihn mit einer Glasflasche beworfen. Der Afrikaner rutschte den Angaben zufolge auf den Scherben aus und wurde auf dem Boden liegend von dem Hund in den Fuß gebissen. Der Täter sei noch am Tatort von zwei Polizeibeamten festgenommen worden, hieß es. Er soll am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Verletzte musste medizinisch behandelt werden.
(Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd))